Kirchenasyl-Adventskalender

Liebe Hamburgasyl-Leser*innen,
unsere Grüße in der Adventszeit – Zeit der Besinnung und Umkehr – haben auch in diesem Jahr eine besondere Gestalt:

Sie kommen wieder in Form eines Online-Adventskalenders, 2018  mit dem Thema „Kirchenasyl“. Wir laden Sie ein, jeden Tag ein Türchen zu  öffnen. Sie werden 24 Blicke auf Kirchenasyle von Geflüchteten, Unterstützer*innen, aus Gemeinden und von Pastor*innen, lesen können.

Alle Erzähler*innen leben hier im Norden als unsere Nachbarinnen und Nachbarn.

www.kirchenasyl-adventskalender.de

Wir freuen uns, wenn Sie den Adventskalender weit verbreiten – online (per Mail, auf Ihrer Website, in den Social Media) und in Gesprächen. Vielleicht teilen Sie auch die Einschätzung, die sich daraus ergibt: Wir werden uns weiter für den Schutz von Geflüchteten in besonderen Notlagen einsetzen – auch mit Kirchenasylen!

Mit herzlichen Adventsgrüßen,
Ihre Flüchtlingsbeauftragte Dietlind Jochims

 

„Mag sein, dass morgen der jüngste Tag anbricht. Dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen – vorher aber nicht.“ Dietrich Bonhoeffer

Geschichten statt Schokolade

Mit einem Kirchenasyl übernehmen Christ*innen Verantwortung für verzweifelte Menschen in außergewöhnlichen Notlagen. Sie bitten die staatlichen Behörden um eine neuerliche Bewertung des „Falls“, wenn sie annehmen, dass besondere Härten bislang übersehen wurden. Kein Kirchenasyl gleicht dem anderen. Mit 24 ganz unterschiedlichen Perspektiven möchte dieser Online-Kalender Sie durch die Adventszeit begleiten. Jedes Türchen öffnet eine Geschichte: Geflüchtete, Angehörige, Wahl-Großmütter, Unterstützende, Pastor*innen, Beratende schildern ihre Begegnungen und eigenen Erlebnisse im Kirchenasyl. Familie Haidari, Sabine, Mahdi oder Amaal – die Menschen aus den Adventskalendergeschichten leben hier in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie erzählen von Ungewissheit und schwierigen Entscheidungen, aber auch von Dankbarkeit und besonderen Begegnungen. Es sind eindrückliche Zeugnisse von Hoffnung, Warten und Mut. Manche der Geschichten haben ein Happy End, bei anderen gibt es noch keine Entscheidung.

In der Kirchenasylpraxis geht es uns häufig so: Wir sehen die Menschen und hören ihre Geschichten. Wir sehen Behördenfehler, vermeintlich „nicht-außergewöhnliches“ Elend, menschliche Tragödien. Was wir hören und sehen, belegt auch das enorme Versagen einer europäischen Flüchtlingspolitik. Das macht uns oft ratlos und wütend. Dieses Versagen werden wir mit Kirchenasyl nicht heilen können. Lediglich ein sehr kleiner Teil der Anfragen mündet in ein Kirchenasyl. Aber Kirchengemeinden versuchen, besonders schwere Notlagen für einzelne Menschen zu lindern. An den individuellen Schicksalen der Frauen, Männer und Kinder in momentan etwa 550 Kirchenasylen bundesweit werden die nicht zumutbaren Härten deutlich, die durch Abschiebungen entstehen.

Wir sollten den Advent nutzen als Zeit der Besinnung und Umkehr und als Kirche deutlich Stellung beziehen: Kirchenasyl ist Menschenrechtsarbeit, christlich geboten und ureigener Auftrag der Kirchen!

Allen Erzählenden danken wir sehr für ihre Offenheit und ihren Mut und allen weiteren Mitwirkenden, besonders den Flüchtlingsbeauftragten der Kirchenkreise in der Nordkirche, für ihr Engagement. Den Geschichten wünschen wir viele Leser*innen. Mögen sie adventlich nachdenklich machen und adventlich ermutigen. Wir werden uns weiter für den Schutz von Geflüchteten in besonderen Notlagen einsetzen – auch mit Kirchenasylen.