Gesundheit

Gesundheitliche Situation und Versorgung Geflüchteter

Besondere Situation Geflüchteter

Die gesundheitliche Situation von Geflüchteten ist häufig negativ beeinflusst durch Gewalt, Krieg und Hunger. Auch die Lebensbedingungen während der Flucht sind hart. Daher sind bereits bei ihrer Ankunft in Deutschland viele Menschen krank oder geschwächt. Die Wartezeit in überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen, die fehlende Privatsphäre dort und die Angst vor Abschiebung erzeugen Stress und unterstützen die Instabilität der möglicherweise traumatisierten Flüchtlinge.

Medizinische Versorgung

Gemäß dem Asylbewerberleistungsgesetz haben die Menschen, die einen Asylantrag stellen, Anspruch auf medizinische Versorgung, allerdings nur bei akuten Krankheiten und Schmerzen. Daher erhalten Asylsuchende auf dieser Grundlage in den ersten 15 Monaten ihres Aufenthalts eingeschränkte Leistungen im Vergleich zu gesetzlich Versicherten. Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und medizinische Leistungen im Rahmen von Schwangerschaft und Geburt werden aber uneingeschränkt übernommen.

Wenn Geflüchtete nach der Umverteilung in Hamburg bleiben dürfen, wird in der Erstaufnahmeeinrichtung automatisch für sie die elektronische Gesundheitskarte bei der AOK beantragt. Nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland haben Asylsuchende weitestgehend den gleichen Anspruch auf medizinische Versorgung wie gesetzlich Versicherte. Einschränkungen können bei Zahnersatz, Reha-Maßnahmen, Langzeitpsychotherapien und Leistungen im Ausland sowie freiwilligen Zusatzleistungen bestehen. Damit unterliegen die Geflüchteten allerdings auch der Zuzahlungspflicht zu den Leistungen der Krankenversicherung.

In Hamburg wurden in den Erstaufnahmeeinrichtungen (EA) kostenlose medizinische Sprechstunden für körperliche und psychische Beschwerden eingerichtet, die allen Bewohnerinnen und Bewohnern der Unterkünfte unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus offen stehen. Für Patientinnen und Patienten mit einer elektronischen Gesundheitskarte kann bei Bedarf in der Sprechstunde eine direkte Überweisung zu einer Fachärztin oder einem Facharzt erfolgen. Die Ausstellung dieser Karte kann allerdings bis zu einige Monate dauern und solange wird zusätzlich eine Bewilligung der Kostenübernahme durch das Sozialmanagement benötigt.  Dabei kann es nach wie vor dazu kommen, dass die Übernahme von Behandlungen und Leistungen verweigert wird. Dies betrifft beispielsweise regelmäßig die Kosten für die Behandlung von psycho-somatischen Beschwerden (z. B. bei Traumata) oder auch die Folgen von Behinderungen und Verletzungen. Notwendige Behandlungen können dadurch erheblich verzögert werden oder ganz unterbleiben.

Psychologische und psychiatrische Versorgung

Theoretisch können Geflüchtete in Hamburg alle Einrichtungen der psychiatrischen Versorgung nutzen. In der Realität ist eine psychotherapeutische Behandlung aus verschiedenen Gründen schwierig zu erhalten: Es bestehen Sprachbarrieren in beide Richtungen und es mangelt an Trauma-Spezialisierungen auf therapeutischer Seite, was die angemessene Behandlung Geflüchteter erschwert. Hinzu kommt, dass es nicht genügend kassenärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten  in Hamburg gibt, um den Bedarf zu decken.

Besondere Problemlagen

Menschen ohne Aufenthaltsstatus

Menschen ohne gültige Papiere und Aufenthaltsrecht haben keinen Anspruch auf gesundheitliche Versorgung. Für diese Personen gibt es in Hamburg einige niedrigschwellige Beratungsstellen und etwa 150 Ärztinnen und Ärzte, die sie kostenlos oder gegen geringes Honorar behandeln. Menschen, die in großer Not sind, suchen diese Beratungsstellen auf. Oft hat ihre Angst vor Entdeckung und Abschiebung viel Zeit vergehen lassen, sodass die Krankheit akut oder chronisch wurde.

Menschen in Duldung

Flüchtlinge, die viele Jahre mit kurzen Duldungen (Kettenduldungen) in Hamburg leben, leiden sehr unter ihren krankmachenden Lebensumständen. Sie werden in unterschiedlichen, sehr kurzen Zeitabständen zur Ausländerbehörde zitiert und müssen jedes Mal mit der Abschiebung rechnen. Diese Menschen neigen dazu, sich zurückzuziehen, sich zu isolieren und sich in ihrer Untätigkeit mit der immer wiederkehrenden Angst vor Abschiebung einzurichten. Reaktive Depressionen werden dann oft chronisch, weil sich am Aufenthaltsstatus der Betroffenen nichts ändert.

Hier finden Sie eine Liste der medizinischen Anlaufstellen für Menschen ohne Papiere.