Menschen ohne Papiere in Hamburg

Menschen ohne Aufenthaltsrecht werden oft mit den Begriffen „Illegale“/“Illegalisierte“ stigmatisiert. Ein Begriff, der gewöhnlich die Assoziationskette Kriminelle-Mafia-Schlepperbanden auslöst. „Das einzige, was sich die allermeisten von ihnen zuschulden kommen lassen, ist: hier zu sein“, sagt Professor Christian Pfeiffer von der Kriminologischen Forschungsstelle Niedersachsen (zitiert nach MOPO vom 10.2.1997).

In Frankreich heißen Menschen ohne Aufenthaltspapiere „Sans-papiers“, in England „undocumented“. Die UN sprechen von WanderarbeiterInnen, zu deren Schutz die Weltorganisation 1990 eine Konvention erlassen hat. Die Bundesrepublik hat sie nie unterzeichnet. Dabei leben nach Schätzungen der UN-Organisation ILO (International Labour Organisation) in Deutschland mittlerweile eine halbe Million Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Alleine in Hamburg sollen es über 6.000-22.000 sein (lt. Studie: „Leben ohne Papiere“ der Diakonie von 2009).

Es gibt allerdings auch Schätzungen die weit über diese Zahlen hinausgehen. In Folge der zunehmenden Flüchtlingszahlen und der restriktiveren Gesetzeslage, ist davon auszugehen, dass sich die Anzahl der Menschen ohne Papiere in Hamburg schon stark erhöht hat bzw. erhöhen wird. Wer als Mensch ohne Papiere in Hamburg lebt, ist entweder unbemerkt eingereist oder hat Deutschland nach Ablauf der Aufenthaltserlaubnis nicht wieder verlassen. Dabei kann es sich um abgelaufene Touristenvisa oder eben um abgelehnte Asylanträge handeln.

Besonders in Großstädten wie Hamburg stellen Menschen ohne Papiere eine bedeutende Größe dar. Genau wie andere Bewohner der Stadt haben sie einen Job, verfügen über Wohnraum, haben Kinder in Schule und Kindergarten und versuchen im Krankheitsfall medizinische Versorgung zu bekommen. Die Bedingungen, unter denen sie dies tun, unterscheiden sich allerdings elementar von den Menschen mit sicherem Aufenthaltsstatus. Sie arbeiten ohne arbeitsrechtliche Absicherung, oft im Dienstleistungssektor, wie z.B. in der Gastronomie oder als Gärtner, in privaten Haushalten als Haushaltshilfe, Reinigungskraft oder in der Prostitution.

Die Wohnsituation ist oftmals schwierig. Möglich sind hier überteuerter oder überbelegter Wohnraum und die mögliche Willkür von Seiten der Vermieter, der diese Menschen schutzlos ausgeliefert sind.

Sie leben in einer Schattenwelt, die geprägt ist von der Angst, entdeckt und abgeschoben zu werden. Menschen ohne Papiere können leicht Opfer von ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen und von Mietwucher werden, weil sie oft nicht wissen, dass sie ihre Rechte geltend machen können. Diese Menschen sind zwar papierlos aber nicht rechtlos!

Jeder Mensch hat grundlegende Rechte wie das Recht auf medizinische Versorgung, Existenzsicherung, Bildung, Beurkundung von Geburten und Schutz vor Ausbeutung. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Schulbesuch und Familien bekommen einen Kita-Gutschein für die Betreuung in der Kindertagesstätte. In dem Artikel „Menschenrechte gelten auch ohne Papiere – aber wie können Sie durchgesetzt werden?“, erschienen bei BPB, erläutern die beiden Autorinnen sehr differenziert welche (Menschen-)Rechte oftmals eingeschränkt werden und wie sie durchgesetzt werden können.

 

 

Einige Beratungsstellen für Menschen ohne Papiere finden Sie hier:

ANDOCKEN – Ärztliche und Soziale Praxis für Menschen ohne Papiere
Bernstorffstraße 174, 22767 Hamburg
Tel. 040 430 98 796
E-Mail: andocken@diakonie-hamburg.de
Dienstag 10-12 Uhr
Donnerstag 14-16 Uhr

Hier finden Sie weitere medizinische Anlaufstellen für Menschen ohne Papiere und weitere Adressen der Flüchtlings- und Migrationsarbeit in Hamburg.

Zentrale Information und Beratung für Flüchtlinge gGmbH (Flüchtlingszentrum)
Frau Niethammer
Adenauerallee 10 20097 Hamburg
Telefon 040/284079123
E-Mail: niethammer@fz-hh.de

MigrAr – Gewerkschaftliche Anlaufstelle für Migrant/-innen ohne gesicherten Aufenthalt
Besenbinderhof 56, 20097 Hamburg
Tel: 040 2858 4138

Verikom – Verbund für interkulturelle Kommunikation und Bildung e.V.
Hospitalstraße 109
22767 Hamburg
Hilfe für Menschen / Ambulante Betreuung für Migrantinnen ohne Papiere
Telefon: 01 76 – 63 01 04 27 um ein Treffen auszumachen
http://www.verikom.de/erwachsene/ambulante-beratung

Auf der Seite der Diakonie Hamburg finden Sie eine Handreichung für die Rechte von Menschen ohne Papieren sowie eine ausführliche Dokumentation zur Lebenssituation von Menschen ohne Papiere.
Die Bundesarbeitsgruppe Gesundheit/Illegalität legt in einem Arbeitspapier die Problemstellungen und Lösungsansätzen dar.