Protestaktion Kürzung Clearingstelle

MITWIRKENDE FÜR PROTESTAKTION GESUCHT

📍 Rathausmarkt Hamburg
🗓️ 3. November 2026, 16:00 Uhr

Für eine öffentlichkeitswirksame Protestaktion gegen die Versorgungslücken für Menschen ohne Krankenversicherung suchen wir noch Menschen, die am Aktionstag mitwirken möchten.

Geplant ist eine symbolische Inszenierung: Patient*innen stehen für medizinische Hilfe an, werden jedoch abgewiesen, weil die Finanzierung ihrer Behandlung fehlt. Damit wollen wir die Folgen des Wegfalls der Finanzierung der Hamburger Clearingstelle sichtbar machen und Aufmerksamkeit für die Situation Betroffener schaffen.

Gesucht werden:
– Patient*innen für die Darstellung der Warteschlange
– Menschen als medizinisches Personal

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

📧 Rückfragen unter: medinetz-hamburg@posteo.de

Vorbereitung und Einweisung ab 15:30 Uhr vor Ort.

Aus für Integrationszentren

Aus für zwölf Integrationszentren: Sechs erfahrene freie Träger verlieren zum Jahresende Förderung der Sozialbehörde

Pressemitteilung vom 19.10.2026

Die bislang von sechs Trägern betriebenen Hamburger Integrationszentren führten allein im vergangenen Jahr knapp 33.000 Beratungen durch und unterstützten Menschen bei Fragen zu Aufenthalt, Arbeit, Bildung, Sprache, Existenzsicherung, Sozialleistungen und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Finanzierung der bestehenden Integrationszentren in ihrer bisherigen Trägerschaft wird von der Sozialbehörde zum 31.12.2026 beendet.

Die Hamburger Sozialbehörde hat sich gegen die Weiterförderung der bisherigen Trägerschaften von BI Bildung und Integration Hamburg Süd gGmbH, Caritasverband für das Erzbistum Hamburg e. V., Diakonie Hamburg, Interkulturelle Begegnungsstätte e.V. (IKB), Internationaler Bund (IB) und verikom gGmbH entschieden. Die Trägerschaften wurden im Rahmen einer öffentlichen Bekanntgabe neu vergeben.

Die sechs Träger, die seit mehr als 20 Jahren in der Hamburger Migrations- und Integrationsarbeit tätig sind, hatten sich gemeinsam mit einem trägerübergreifenden Konzept an dem Verfahren beteiligt. Nach den den Trägern vorliegenden Informationen fand dieses Konzept bei der Auswahlentscheidung keine Berücksichtigung, obwohl im Konzeptantrag des Verbunds alle Ausschreibungsanforderungen der Sozialbehörde vollumfänglich erfüllt wurden.

„Für uns als Migrant:innen-Selbstorganisation ist es ein wirklich herber Schlag, der unseren Verein auch existenziell gefährdet. Vorrangig geht es uns um die Menschen, die unser Beratungsangebot nutzen und sich nun fragen, wo sie künftig Unterstützung finden. Es sind gewachsene Strukturen und Vertrauensverhältnisse, die in den Bezirken und Stadtteilen verlorengehen. Partizipation von Migrant:innen und die Beteiligung migrantischer Vereine sollten sich nicht nur in politischen Zielsetzungen, sondern auch in der Förderung konkreter Angebote widerspiegeln“, sagt Emine Güney, geschäftsführende Vorständin der IKB e. V.

Die bestehenden Integrationszentren leisten seit vielen Jahren wohnortnahe Beratung und unterstützen Menschen bei komplexen sozialen, aufenthaltsrechtlichen, familiären und arbeitsmarktbezogenen Fragestellungen. Darüber hinaus haben sie belastbare Netzwerke mit Behörden, Schulen, Kitas, Jobcentern, sozialen Einrichtungen und weiteren Akteurinnen und Akteuren in den Hamburger Stadtteilen aufgebaut.

Besonders kritisch bewerten die Träger, dass die Integrationszentren erst Mitte 2025 im Rahmen einer neuen Förderrichtlinie grundlegend neu ausgerichtet wurden. Dabei wurde die mobile Beratung in Wohnunterkünften ausgebaut. Diese Förderung war bis Ende 2028 angelegt. Zahlreiche personelle und organisatorische Anpassungen der Träger erfolgten im Vertrauen auf diese Perspektive. Nun werden diese Strukturen bereits nach kurzer Zeit unwiederbringlich zerstört.

Die Entscheidung fällt in einer Zeit, in der weiterhin viele Menschen Unterstützung im Asyl-, Integrations- und Teilhabeprozess benötigen. Die Träger sehen deshalb die Gefahr, dass mit dem Wegfall der Einrichtungen erhebliche Beratungskapazitäten sowie bewährte Zugänge zu besonders unterstützungsbedürftigen Zielgruppen verloren gehen.

„Die Frage ist nicht, ob Beratung in Wohnunterkünften oder in den Stadtteilen benötigt wird. Beides ist wichtig, und mobile, digitale und aufsuchende Angebote können dabei sinnvolle Bausteine sein. Sie ersetzen jedoch nicht eine fachlich fundierte Beratungsarbeit und die feste Verankerung im Sozialraum. Wer die eine Struktur stärkt, aber die andere parallel abbaut, riskiert gravierende Versorgungslücken und den Verlust gewachsener Unterstützungsnetzwerke“, erläutert Judith Geipel, Geschäftsführerin der BI Hamburg Süd gGmbH.

„Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte benötigen qualifizierte Unterstützung im Integrationsprozess. Hamburg braucht deshalb starke und verlässliche Angebote sowohl in den Wohnunterkünften als auch in den Quartieren und keinen Zickzackkurs in der Förderpolitik“, betont auch Sangeeta Fager, Geschäftsführerin verikom gGmbH.

Mit dem Wegfall der Förderung werden nach aktuellem Stand zum 31.12.2026 folgende Standorte geschlossen werden müssen:

  • Integrationszentrum Mitte II / Wilhelmsburg und Veddel (BI Hamburg Süd)
  • Integrationszentrum Harburg (BI Hamburg Süd)
  • Integrationszentrum Steilshoop (Caritasverband für das Erzbistum Hamburg e. V.)
  • Integrationszentrum Bergedorf (Caritasverband für das Erzbistum Hamburg e. V.)
  • Integrationszentrum Bergedorf (Internationaler Bund)
  • Integrationszentrum Wandsbek / Tonndorf (Internationaler Bund)
  • Integrationszentrum Eimsbüttel (IKB e. V.)
  • Integrationszentrum Mitte / St. Pauli (IKB e. V.)
  • Integrationszentrum Altona (verikom gGmbH)
  • Integrationszentrum Billstedt (verikom gGmbH)
  • Integrationszentrum Mitte-Zentral (verikom gGmbH)
  • Integrationszentrum Nord (Diakonie Hamburg)

Mit den Standortschließungen gehen zahlreiche Kündigungen von hochqualifizierten, engagierten Mitarbeiter:innen einher und mit ihnen der Verlust von Kooperations- und Unterstützungsstrukturen in den Stadtteilen. Besonders Menschen mit komplexen Unterstützungsbedarfen, die bislang über lokale Netzwerke und feste Standorte erreicht wurden, werden ab Januar 2027 keine Anlaufstellen mehr haben.

Pressemitteilung.pdf

Unterfinanzierung gefährdet Flüchtlingshilfe

Der UNHCR warnt: Die globale humanitäre Hilfe steckt in einer schweren Finanzierungskrise. Millionen Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen mussten, drohen lebenswichtige Unterstützung und Schutz zu verlieren.

Die Folgen sind verheerend: Wenn Geld fehlt, können Menschen nicht registriert werden, erhalten schwerer Zugang zu Schutz, Kinder verlieren wichtige Unterstützung und Rückkehrende stehen ohne Perspektive da.

8,3 Millionen Menschen sind gefährdet

Weiterlesen auf der Website der UNO Flüchtlingshilfe…

Englischsprachiger UNHCR-Bericht.pdf

Pressemitteilung

38 Organisationen fordern: Bundesregierung muss im Europäischen Rat die Aussetzung des Asylrechts in der EU verhindern

Pressemitteilung vom 14. Oktober 2026

Anlässlich des Europäischen Rats am 15. und 16. Oktober 2026 appellierten 38 Organisationen, darunter Pro Asyl und die Diakonie Deutschland eindringlich an die Bundesregierung, für das Grundrecht auf Asyl einzustehen.

Beim Treffen des Europäischen Rats am 15. und 16. Oktober 2026 stehen erstmals Vorschläge zur Diskussion, das Asylrecht in bestmmten Situtionen auszusetzen – etwa bei einer sehr hohen Zahl von Ankünten aufgrund einer vermuteten Instrumentalisierung von Migration durch Dritstaaten.

Das bedeutet: Menschen könnten an Europas Grenzen zurückgewiesen werden, bevor sie überhaupt sagen dürfen, warum sie Schutz brauchen. Ob ihnen Verfolgung, Krieg oder Folter droht, würde nicht geprüft werden. Schon jetzt erleben viele Schutzsuchende an Europas Grenzen Gewalt. Das Recht, Asyl zu suchen, wird durch sogenannte Pushbacks verweigert. Die EU könnte kurz davor stehen, diese Menschenrechtsverletzung entgegen der Grundrechte zu legalisieren.

Die Ereignisse von Ceuta werden herangezogen, um diese Vorschläge zu rechtfertigen. Die Ankunft zehntausender Menschen innerhalb kürzester Zeit stellte die örtlichen Behörden und die vorhandenen Aufnahme- und Versorgungskapazitäten ohne Frage vor große Herausforderungen. Zugleich war die Situation für die Menschen selbst hochriskant: Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen starben mehr als 140 Menschen bei dem Versuch, Ceuta zu erreichen. Diese außergewöhnliche
Situation und das entstandene Leid müssen ernst genommen werden. Die Antwort darauf sollte in gegenseitiger Unterstützung und Solidarität der Mitgliedstaaten liegen – und darin, gemeinsam Lösungen zu finden, die den Schutz von Menschen gewährleisten und zugleich die Handlungsfähigkeit der EU stärken. Eine Aussetzung des Asylrechts würde dagegen nicht nur konkret verfolgte Menschen gefährden, sondern auch die Glaubwürdigkeit der EU schwächen.

Das Asylrecht ist ein integraler Bestandteil der europäischen Grundrechte. Artikel 18 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union garantiert das Recht auf Asyl. Artikel 19 schützt vor Kollektivausweisungen sowie vor Abschiebungen, wenn Folter oder unmenschliche Behandlung drohen. Wer das Asylrecht aussetzt, stellt damit einen zentralen Bestandteil des europäischen Grundrechtsschutzes und des Selbstverständnisses der Europäischen Union als Raum der Menschenrechte, Freiheit, Gleichheit und Solidarität in Frage.

Eine von der EU genehmigte Aussetzung des Asylrechts wäre ein folgenschwerer Bruch mit den europäischen Grundrechten. Diese Rechte sind Errungenschaften. Sie müssen gerade in herausfordernden Situationen gewahrt und verteidigt werden. Wer heute das Recht für bestimmte Situationen aussetzen lässt, stärkt diejenigen, die seine Abschaffung fordern, und verschiebt die Grenze dessen, was politisch und rechtlich möglich erscheint – ein gefährlicher Präzedenzfall für Grundrechte in der Europäischen Union.

Gemeinsam appellieren die unterzeichnenden Organisationen daher an die Bundesregierung: Stehen Sie auf europäischer Ebene klar für die europäischen Grundrechte und damit auch für das Recht auf Asyl ein.

Zum Appell mit allen Unterzeichnenden

Neues aus dem WillkommensKulturHaus

Das WillkommensKulturHaus in Ottensen ist ein Ort der Begegnung und mit zahlreichen Angeboten, die monatlich auf der Website der Kirchengemeinde Ottensen zu finden sind.
Hier ein kleiner Einblick in die Aktivitäten des WKHs:

Über Grenzen hinweg: Frauen tanzen
Immer wieder freitags inspirieren hier im Wechsel zwei Tanztherapeutinnen und eine Soul Motion Lehrerin Frauen zu Bewegung und Tanz. Über alle Grenzen hinweg erleben die Teilnehmerinnen Musik und Tanz als kraftvolle Instrumente zur Förderung der Gesundheit, des Wohlbefindens und der Begegnung. Kostenlos, ohne Anmeldung, Spenden willkommen. Kinder dürfen gern mitgebracht werden.
Freitags, 18 – 19:30 Uhr
Flyer

Neu! Kochen mit Heidi und Jeanne
Gesund, lecker und vor allem gemeinsam wird jeden Montag im WillkommensKulturHaus gekocht und zusammen gegessen. Meistens vegetarisch. Anmeldungen willkommen, aber nicht obligatorisch. Spenden erwünscht.
Montags, 13:30 – 15 Uhr
Flyer

Neu! Singen&Musik machen mit Nadine
Für alle Menschen, die Lust auf Musik, Rhythmus und Begegnung haben. Keine Vorkenntnisse nötig. Offen für alle. Komm einfach vorbei. Bring gerne dein Instrument mit. Zu diesem Angebot dürfen gern Kinder mitgebracht werden!
Dienstags, 17 – 18 Uhr
Flyer

Neu! Info-Sprechstunde Freiwilligenarbeit
Schwerpunkt: Beratung zu Einsatzmöglichkeiten für Geflüchtete. Information und persönliche Beratung. Anmeldung nicht erforderlich.
Donnerstags 15:30 – 16:30 Uhr
Flyer

Und sonst noch…

Wir bedanken uns herzlich!
Über 6 Monate haben Studierende des Masterstudiengangs „Kommunikationsmanagement“ der IST-Hochschule für Management gemeinsam mit dem WillkommensKulturHaus in Hamburg-Ottensen Strategien und konkrete Instrumente für Social Media und Spenderakquise entwickelt. Das Praxisprojekt verbindet damit zwei zentrale Herausforderungen gemeinnütziger Organisationen: gesellschaftlich relevante Arbeit sichtbar zu machen und neue Unterstützende zu gewinnen.
Pressemitteilung

Dringend gesucht!
Ehrenamtliche Unterstützung für Nachhilfe und Gruppenunterricht in der Schule ohne Grenzen. Bitte meldet euch und empfehlt uns weiter, danke.
wkh@kirche-ottensen.de

Aktionswoche Migration und Flucht

Pressemeldung: Beratungsangebote sichern – gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken

Berlin, 28.09.2026 – Von heute an bis zum 2. Oktober 2026 rufen die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege zu einer Aktionswoche für die bundesweit geförderten Programme im Bereich Migration und Flucht auf. Ziel ist es, die Arbeit der Träger sichtbarer zu machen und politische Entscheidungsträger:innen im Vorfeld der Haushaltsberatungen für 2027 von der Notwendigkeit einer verlässlichen und dauerhaften Finanzierung der Bundesprogramme zu überzeugen.

Unverzichtbare Arbeit für das demokratische Gemeinwesen
„Beratungsstellen und Fachdienste unterstützen Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrungen beim Ankommen, bei der Orientierung, bei der Bewältigung konkreter Probleme und fördern die gesellschaftliche Teilhabe. Sie erklären u.a. die jeweiligen Rechte und Pflichten und leisten damit einen Beitrag zu Rechtsstaat, sozialer Teilhabe und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Umso mehr beunruhigen uns die anhaltenden Spardebatten und drastischen Kürzungen in einzelnen Programmen wie der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte und der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung sowie das Fehlen einer verlässlichen, längerfristigen Haushaltsplanung“, erklärt Achim Meyer auf der Heyde, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW).

Kürzungen bedrohen bewährte Strukturen
Im Fokus der Aktionswoche stehen folgende Beratungsangebote:

  • das Bundesflüchtlingsprogramm mit den Psychosozialen Zentren für Geflüchtete (PSZ)
  • die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE)
  • die Jugendmigrationsdienste (JMD)
  • die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung (AVB)

Bundesweit nutzen zahlreiche Träger die Aktionswoche, um in Gesprächen mit Entscheidungsträger:innen, bei Veranstaltungen vor Ort und an Tagen der offenen Tür die Bedeutung dieser Programme in den Blick zu nehmen – insbesondere die Bedeutung für ratsuchende Menschen sowie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt. Der Asylverfahrensberatung droht eine Kürzung um 80%. Auch bei der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte sind laut Haushaltsentwurf für 2027 drastische Kürzungen geplant. Damit drohen über Jahre gewachsene, für das Gemeinwesen unverzichtbare Strukturen wegzubrechen – mit spürbaren Folgen für laufende Integrationsprozesse.

Forderung nach nachhaltiger Finanzierung
Die Verbände der BAGFW fordern die Bundesregierung und politisch Verantwortliche auf, diese stabilisierenden Säulen unserer Gesellschaft zu stärken. Notwendig ist eine auskömmliche, verlässliche und gesetzlich verankerte Regelfinanzierung – statt wiederkehrender Unsicherheit im Haushalt.

Weitere Informationen zu den Angeboten der Migrationsfachdienste und zur Aktionswoche finden Sie in den Factsheets der BAGFW zur MBE, AVB und Bundesflüchtlingsprogramm/ PSZ unter: www.bagfw.de/themen/migration-und-integration

#AnkommenUnterstützen #StarkeMigrationsberatung

Pressemeldung als pdf

100 Tage GEAS

Abschreckung, Druck und Rechtsverstöße

Pressemitteilung PRO ASYL vom 21. September: Vor 100 Tagen, am 12. Juni 2026, ist die Neuordnung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in der EU und in allen Mitgliedstaaten in Kraft getreten. Die 100 Tage nimmt PRO ASYL zum Anlass für eine erste Einordnung. Deutlich wird: Es geht Deutschland um maximale Härte. 

In einem neuen Policy Paper zieht PRO ASYL Bilanz: Der deutsche Gesetzgeber hat die vorhandenen Spielräume weitgehend zulasten der Schutzsuchenden genutzt. Einzelne Regelungen gehen über die zwingenden Vorgaben des EU-Rechts hinaus.

„Die Erkenntnisse aus den ersten 100 Tagen GEAS sind alarmierend: Schutzsuchende werden abgeschottet, komplexe Verfolgungsgeschichten im Eiltempo geprüft und besondere Schutzbedarfe übersehen. Unabhängige Beratung fehlt, während Menschen unter haftähnlichen Bedingungen festgehalten werden. So entstehen Fehlentscheidungen und Rechtsverstöße. Das ist politisch gewollte Abschreckung“, erklärt Helen Rezene, Geschäftsführerin von PRO ASYL.

In dem Policy Paper untersucht PRO ASYL die neuen Grenzverfahren und die verschärften Dublin-Regelungen. Grundlage sind konkrete Fälle und Berichte aus der anwaltlichen und unabhängigen Beratungspraxis. In beiden Bereichen sind die negativen Folgen bereits deutlich sichtbar.

Grenzverfahren: Schutzbedarfe übersehen, Rechte verletzt

Das neue GEAS soll dazu beitragen, dass deutlich weniger Schutzsuchende in die Europäische Union gelangen. Zahlreiche Asylverfahren werden deshalb unmittelbar an den EU-Außengrenzen durchgeführt. Während dieser Verfahren gelten die Betroffenen rechtlich als nicht eingereist. Auch Deutschland ist verpflichtet, Grenzverfahren an seinen Außengrenzen durchzuführen.

Die ersten von PRO ASYL begleiteten Fälle offenbaren gravierende Defizite:

  • Besondere Schutzbedarfe werden nicht zuverlässig erkannt und berücksichtigt.
  • Medizinische Erfordernisse finden nicht ausreichend Beachtung.
  • Beschleunigte Verfahren werden komplexen Flucht- und Verfolgungsgeschichten nicht gerecht.
  • Unabhängige Asylverfahrensberatung und asylrechtskundige anwaltliche Beratung sind nicht an allen Standorten gewährleistet.

Schutzsuchende durchlaufen die Grenzverfahren weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschottet und unter haftähnlichen Bedingungen. Nach Auffassung von PRO ASYL geht die geschlossene Unterbringung in den Grenzverfahrenseinrichtungen über eine bloße Beschränkung der Bewegungsfreiheit hinaus. Sie kommt einer Freiheitsentziehung gleich.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ordnet die Unterbringung mit weitgehend gleichlautenden Textbausteinen an. Eine nachvollziehbare Prüfung der Verhältnismäßigkeit im Einzelfall ist in den PRO ASYL vorliegenden Anordnungen nicht erkennbar. Gegen diese Praxis bestehen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken.

Dublin-System: Bis zu drei Jahre Ungewissheit

Auch das seit Jahren dysfunktionale Dublin-System wurde nicht grundlegend reformiert, sondern weiter verschärft. Die Verantwortung für einen großen Teil der Asylverfahren liegt weiterhin bei den Mitgliedstaaten an den europäischen Außengrenzen. Das gilt selbst dann, wenn Geflüchtete dort unter menschenunwürdigen Bedingungen leben oder Gewalt erfahren haben.
Besonders einschneidend ist die Verlängerung der Dublin-Überstellungsfrist. Im Regelfall muss eine Überstellung innerhalb von sechs Monaten erfolgen. Wird eine Person als „flüchtig“ eingestuft, kann die Frist nach neuem Recht um drei Jahre verlängert werden. Zuvor lag die Höchstfrist bei 18 Monaten.

Die PRO ASYL vorliegenden Fälle zeigen: Das BAMF nutzt diese Möglichkeit extensiv und zulasten der Betroffenen. Dadurch kann die inhaltliche Prüfung der Fluchtgründe und des Schutzanspruchs über Jahre hinausgeschoben werden. Für die Schutzsuchenden bedeutet das jahrelange Ungewissheit. Zugleich provoziert diese Praxis eine Klagewelle vor den Verwaltungsgerichten

Kirchenasyl wird unter Druck gesetzt

Die Neuregelung setzt auch das Kirchenasyl massiv unter Druck. Dabei ist es ein wichtiges humanitäres Korrektiv in besonderen Härtefällen. Das BAMF empfiehlt den Ausländerbehörden, Menschen nach der Ablehnung eines Härtefalldossiers persönlich vorzuladen. Erscheinen sie nicht, soll ihre Überstellungsfrist um drei Jahre verlängert werden.

Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zum früheren Dublin-Recht galt eine Person im offenen Kirchenasyl grundsätzlich nicht als flüchtig, wenn den Behörden ihr Aufenthaltsort bekannt war. Nach Auffassung von PRO ASYL kann auch nach neuem Recht der bloße Aufenthalt im offenen Kirchenasyl nicht pauschal als „Flucht“ gewertet werden.

https://www.proasyl.de/pressemitteilung/100-tage-geas-abschreckung-druck-und-rechtsverstoesse/

Psychische Gesundheit

Neuer digitaler Flyer zu psychischer Gesundheit und Unterstützung für junge Geflüchtete – in mehreren Sprachen verfügbar Informationen unter: https://b-umf.de/p/digitaler-flyer-psychische-gesundheit/

Psychische Belastungen sind für viele junge geflüchtete Menschen Teil ihrer Lebensrealität. Erlebnisse vor und während der Flucht, Unsicherheiten im Alltag, Rassismus oder die Trennung von Familie und vertrauten Menschen können die psychische Gesundheit belasten. Gleichzeitig ist es oft schwierig, passende Unterstützung und Therapieangebote zu finden.

Im Rahmen des Projekts „bedarfs.gerecht: Bedarfsgerechte psychosoziale Versorgung junger Geflüchteter“ veröffentlicht der BuMF e.V. einen neuen Flyer zum Thema „Psychische Gesundheit und Unterstützung für geflüchtete Jugendliche“ in mehreren Sprachen.

Der Flyer richtet sich direkt an junge geflüchtete Menschen und informiert in einfacher Sprache über wichtige Fragen:

  • Was bedeutet psychische Gesundheit?
  • Wann kann es helfen, Unterstützung zu suchen?
  • Was sind Therapien und wie können sie helfen?
  • Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapeutinnen und Psychiaterinnen?
  • Welche Rechte gibt es bei Gesundheitsversorgung, Sprachmittlung und Therapie?
  • Wo finden junge Menschen Beratung und Unterstützung?

Außerdem informiert der Flyer über Unterstützungsmöglichkeiten bei Diskriminierung und erklärt, was Empowerment bedeutet. Er zeigt jungen Menschen: Sie sind mit ihren Erfahrungen nicht allein und haben das Recht, Hilfe und Unterstützung zu bekommen.

Der Flyer ist in Deutsch, Englisch, Dari und Arabisch verfügbar und kann genutzt werden, um junge Geflüchtete direkt über ihre Rechte und Möglichkeiten der psychosozialen Unterstützung zu informieren.

Programm auf dem Regerhof

Der Regerhof ist ein Ort der Begegnung in Hamburg-Bahrenfeld (Regerstraße 73).

Ab August 2026 sind sie Dienstag von 10.00 – 16.00, Mittwoch von 10.00 – 18.00 und Donnerstag von 10.00 – 14.00 für Sie geöffnet. Die Kleiderkammer und das Café Elio freuen sich über ihren Besuch!

Die Schnackschrauber sind dienstags und mittwochs von 16.00 bis 18.00 auf dem Regerhof im  Einsatz.

Das Nähcafé findet dienstags (außer dem letzten Dienstag im Monat) und die Kunstscheune mittwochs von 16.00 -18.00 im Café Elio statt. 

https://www.lutherkirche.net/regerhof

Policy Brief

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die Aufenthaltstitel der Geflüchteten aus der Ukraine um ein weiteres Jahr zu verlängern – allerdings nicht für Männer im wehrfähigen Alter. Im vierten Jahr nach Beginn des Krieges bleibt die aufenthaltsrechtliche Zukunft der Geflüchteten aus der Ukraine in Europa ungewiss. Der Migrationsforscher Dietrich Thränhardt setzt sich in einer neuen Publikation ‚Die Zukunft der ukrainischen Flüchtlinge in Europa‘ mit möglichen Szenarien auseinander und zeigt „good practice“ Beispiele für eine langfristige Integration. Aktuelle Zahlen zu ukrainischen Geflüchteten in Deutschland finden Sie auf der Website des Mediendienst Integration.